2006 - 22.02. Frankfurt Cocoon Club
22.2.06 - der Tag X. Nachdem wir uns schon so auf diesen Tag gefreut
hatten, stand ich morgens mit großen Erwartungen auf. Schließlich hatten
sich so viele Leute im Vorfeld angekündigt, dass man sich schon ausmalen
konnte, wie die Stimmung am Abend werden würde. Im Grunde genommen war
die Mischung perfekt: viele Leute, eine Partylocation und neue Songs -
was sollte da noch schief gehen?
Genau ein Jahr hatte ich Sub7even nicht mehr gesehen - das lag an vielen
Faktoren -, aber dieses Konzert konnte und wollte ich mir einfach nicht
mehr entgehen lassen. Gut einen Monat brauchte es bis Maja und ich alles
fertig geplant hatten. Das größte Problem stellte das Auto dar.
Leihwagen sind verdammt teuer, Jean und ich haben keinen Führerschein
und woher nehmen, wenn nicht so viel Geld da ist? Zum Glück erklärte
sich schnell Majas Freundin bereit uns ihr Auto zur Verfügung zu
stellen. Schon mal ein großes Problem aus der Welt geschafft. Akribisch
rechneten wir wochenlang alles durch - das Ende vom Lied war, dass wir
uns in einer Jugendherberge einmieteten. Im Vorfeld hatte ich schon mal
im Forum einen Aufruf gestartet, ob nicht jemand noch ab Bremen mit uns
fahren möchte. Erst meldete sich Janina, die aber leider aufgrund ihrer
finanziellen Situation passen musste. Also standen wir genauso da wie
vorher. Maja organisierte alles mit der Jugendherberge in Frankfurt, so
dass wir bald eine Bestätigung für ein 4-Bett-Zimmer bekamen. Ich wollte
unbedingt, dass wir wenigstens eine Toilette im Zimmer hatten und die
nicht mit 100 anderen Leuten teilen mussten, also nochmal ein kleiner
Geldaufschlag. Dann hatte keiner von uns einen Jugendherbergsausweis.
Der musste ebenfalls gekauft werden und - nicht zu vergessen - der Sprit!
Nun war der Tag der Tage da und ich geriet mal wieder völlig in Panik,
weil alles schief lief. Erst ging es mir die ganze Woche nicht gut,
konnte mich aber einigermaßen über Wasser halten, so dass ich das Ganze
nicht absagen musste. Dann hatten wir uns mit der Zeit völlig
verschätzt. Ein ewiges Hin und Her entstand, mit dem Erfolg, dass wir 1
Stunde später als verabredet beim Cinemaxx-Parkplatz in Bremen antrafen.
Maja war freundlicherweise von Hannover aus nochmal zu uns nach Bremen
gefahren, damit wir die Zugkosten sparen konnten. Es standen ungefähr 10
Autos auf dem großen Parkplatz und ich sagte zu meinem Verlobten noch
aus Scherz: “Hahaha…das ist bestimmt das grüne Cabrio da hinten.
Höhö.” Als wir dann ankamen und sahen, dass Maja da wirklich drin saß,
fiel mir erstmal die Kinnlade runter. Sagen wirs so: das Auto sah nicht
sonderlich vertrauenswürdig aus. Schließlich mussten wir 500 km hin und
500 km zurück damit fahren. Aber als ich dann auf der Rückbank saß und
es sogar eine Heizung im Auto gab, verflogen meine Bedenken. Jean hatte
ich erstmal nach vorne zu Maja verfrachtet. Wir sind ja sonst meistens
immer ohne Männer zu den Konzerten gefahren und hatten deswegen
eigentlich schon eine Rollenverteilung: Maja fuhr, achtete mit auf die
Schilder und ich las meistens die Karte. Nun durfte das unser einziges
männliches Wesen tun, da ja angeblich Männer besser Karten lesen können
als Frauen.
Nach gut 40 Minuten Fahrt waren wir kurz unaufmerksam und verpassten
eine Ausfahrt. Da wir nur die Aufzeichnungen von Maja mit hatten, die
sie zusammengefasst vom Routenplaner abgeschrieben hatte, stellte sich
das als unser erstes Problem dar. Wir also erstmal zu einer Tankstelle
und einen großen Autoatlas gekauft, weil wir den in Zukunft
wahrscheinlich eh noch öfters brauchen werden, sofern Sub7even dann
irgendwann mal wieder eine Tour starten. Machte alles nichts, denn noch
waren wir gut in der Zeit. Hetzfahrten mögen wir alle 3 nicht.
Dementsprechend ließen wir uns auch Zeit und machten öfters mal eine
Pause. Verpflegung hatten wir massenweise im Gepäck: Majas Freund hatte
ihr ein paar belegte Brötchen mitgegeben und Jean hatte unser
Mittagessen samt Stullen in Tupperdosen umgefüllt. So fuhren wir über
die Autobahn immer schön mit lauter Musik und guter Laune im Gepäck.
Je weiter wir in die Nähe von Frankfurt kamen, desto kälter wurde es.
Ausserdem freuten wir uns über jeden “Berg”, den wir sahen, denn
schließlich sieht man das hier im Norden nicht alle Tage. Kurze
Fassungslosigkeit trat ein als wir ein komplett eingeschneites Dorf
sahen. Schnee hatten wir bei uns seit Wochen nicht mehr gehabt.
Mittlerweile mussten wir uns auf jedem Rastplatz dick anziehen.
Lustigerweise halten Maja und ich, egal wo wir bis jetzt hingefahren
sind, meistens an den selben Raststätten. So kennt man sich mit der Zeit
aus.
Um 17.00 Uhr sahen wir dann das erste “Willkommen in Hessen”-Schild, was
bei uns schon mittelschwere Begeisterung auslöste. Irgendwie waren wir
doch schon ein wenig geschlaucht: 5 Stunden sind nicht so ganz ohne. Ein
paar Kilometer weiter fanden wir dann unsere Ausfahrt ins Frankfurter
Stadtzentrum. Leider fanden wir aber die Jugendherberge,wo wir uns ja
erstmal anmelden mussten, nicht auf Anhieb. Maja hielt dann kurz und
wollte in einer Kneipe nachfragen, wo wir lang müssen. Leider beachtete
sie das Schild “Flair…ein Hauch von IHR” nicht. Laut lachend kam sie
wieder. Tja, wir waren in der Frankfurter Rotlichtmeile gelandet, was
uns aber auch erst an den darauffolgenden Schildern wie “Dampfbad” usw.
auffiel. Den Weg wussten wir dadurch übrigens immer noch nicht.
Schlussendlich wars dann 19.00 Uhr, als wir zwar die Jugendherberge
gefunden hatten, aber kein Parkplatz in Sicht war. Mitten in der
Innenstadt, direkt am Main, liegt das Haus. Also parkten wir auf einer
Einfahrt und ließen Jean zurück, falls was sein sollte. Maja und ich
wollten nur mal eben hoch, unsere Sachen wegschließen und uns kurz
fertig machen. Diese Aktion scheiterte aber schon an der Rezeption: 30
Minuten hats gedauert, bis endlich mal jemand kam und uns die Karten für
das Zimmer gab, da eine Japanerin alles blockierte, weil sie kein
Englisch verstand und man ihr mit Händen und Füßen alles erklären
musste. Zimmer war super: alles sauber und gepflegt. Wir also schnell
auf die 2 Badezimmer verteilt und alles im Eiltempo erledigt.
Es war genau 19.50 Uhr, als wir beim Cocoon Club auf den Parkplatz
führen. Erst dachte ich, der Club wäre eine Lagerhalle. Von außen ist
das Ding wirklich riesig und unscheinbar. Das Schild war auch nicht
wirklich so groß, als dass man das Ding als Club hätte identifizieren
können. Als wir am Eingang ankamen, standen dort ca. 15 Leute, die sich
echt sonst was abfroren. Ich bewundere immer noch den Kerl, der dort im
T-Shirt stand. Nach wenigen Minuten öffneten sich die Türen und wir
konnten entspannt reingehen. Leider bekam man nur so eine Art
Fleischermarken anstatt einer Eintrittskarte, die man dann aber auch
sofort wieder abgeben musste. Fand ich schade, da ich die Karten ja
meistens als Andenken mit nach Hause nehme.
Erstmal machten wir einen Rundgang und ich ein paar Fotos von dem doch
sehr spacigen Outfit des Clubs. Auch wir gingen mit den bekannten
“Ooohhhs” und “uuuiii wie schööön” durch den Club. Ich glaube jedem hat
der Club gefallen. Es gab zwar eine “Rosa Lounge”, aber es waren nicht
diese grellen Töne, sondern doch sehr angenehm gehalten.
Als wir 3 die Sitzsäcke entdeckten, machten wir es uns erstmal bequem.
Eine schöne Abwechslung zu den doch sehr harten Autositzen. Nach einer
Zeit Plauschen traf man dann die ersten Bekannten und es füllte sich so
langsam. Da der Laden aber nun mal recht groß war, wirkten die Menschen,
die reinkamen, wie verloren. Der Cocoon beherbergt ein eigenes, ziemlich
edel gehaltenes Restaurant, eine ganz normale Bar, eine Essensausgabe
mit normalen Gerichten und 3 Lounges: eine etwas höher gehalten mit
richtigen Couchlandschaften, eine rosane mit so Sitzecken und halt diese
Sitzsäcke. Bequem war das Ganze auf jeden Fall, lud aber natürlich auch
dazu ein sich irgendwo hinzusetzen und dann nicht mehr zu bewegen. Ein
wenig verärgert war ich als wir an der Gadrobe unsere Jacken abgaben:
ein Euro ist ja normal für jede Jacke, aber dann kam ein Typ im Anzug,
der angeblich ins Restaurant wollte. Der musste gar nichts bezahlen.
Komischer Weise sah ich genau diesen Menschen aber auch beim Konzert.
Irgendwie zog sich das alles hin bis dann um 21.15 Uhr “Yen” anfingen zu
spielen. Man konnte sich die Band anhören. Erinnerte mich an “Die
Happy”, nur halt irgendwie schlechter. Begeistern konnten die mich
nicht. Mittlerweile war ich doch schon ziemlich kaputt und hoffte, dass
Sub7even endlich mal anfangen zu spielen. Der Soundcheck zog sich auch
wieder hin bis dann schließlich um 22 Uhr und Nochwas die Band auf der
Bühne stand. In der Mitte des Clubs hatte sich eine kleine Menge
gebildet. Maja ging dann ganz nach vorne und ich stellte mich erstmal
auf so ein hohes Podest. Allerdings nervte das nach einer Zeit und ich
stellte mich zum anderen Publikum. Leider hatte ich das Gefühl,dass die
Zuschauer überhaupt nicht in Fahrt kamen.
Die Songs ergaben eine gute Mischung aus alt und neu, wobei ich es
ziemlich daneben fand, als Rufe kamen wie “mehr neue Songs”. Man kann
die Leute zwar nicht steuern, aber Sub7even bestehen nun mal nicht erst
seit 2004 und das sollten sich einige vielleicht mal vor Augen führen.
Ich stand zu dem Zeitpunkt ziemlich mittig in der Menschenmasse und
hatte einen Lautsprecher fast direkt über dem Kopf. Sub7even machten
einige lockere Ansagen, die üblichen Verdächtigen nahmen diese auch
wieder mit großen Gejohle auf. Ausserdem wurde das “Gehts euch gut?” -
“Am Arsch” Spiel wieder auf die Bühne zurückgeholt. Die Beleuchtung fand
ich übrigens sehr klasse. Zudem gab es ja noch die ganzen
Sub7even-Logos, die auf die weissen Wände des Clubs, die aussehen wie
eine Kraterlandschaft auf dem Mond, projeziert wurden. Mit der Zeit
bildete sich eine Gruppe von Zuschauern, die für sich wenigstens
ordentlich Stimmung machten. Leider stand ich auf meiner Position
ziemlich alleine da, was mich aber trotzdem nicht sonderlich hinderte.
Die neuen Songs waren live natürlich noch 90% kraftvoller, als die
Hörproben, die wir uns bis jetzt zu Gemüte führen konnten. Wie Christos
so schön sagte: “Die haben den richtigen ‘Bums’.” Ich muss aber
gestehen, dass ich die neue “So Why” Version ganz schön schwer
mitzusingen finde, wenn man die alte noch sehr gut im Ohr hat. Das
Abgehackte ist doch gewöhnungsbedürftig. Mein persönliches Highlight war
“Fall 2 Pieces”, mein selbsterkorenes Lieblingslied der neuen Scheibe.
Das hat so einen richtig schönen “Mitschreifaktor”. “Fall 2 Pieces” ist
wahrscheinlich bald Karstens Nervsong Nummer 1 ,wenn ich ihn damit
weiterhin löchere, dass ich den unbedingt mal wieder hören möchte. Bei
einem der neueren Lieder, das ich noch nicht kannte, konnte man auf
meiner Position leider sehr sehr schlecht den Text verstehen. Die Musik
war sehr laut, aber der Gesang stellenweise so gut wie gar nicht hörbar
und ich wollte ihn doch unbedingt verstehen. Schließlich muss man ja
wissen, was man in Zukunft desöfteren hören wird.
Später kam dann eine längere Ansage, in der sich Daniel bei allen
bedankte, die die ganze Zeit zur Band gehalten und sie auf ihrem langen
Weg begleitet haben. Nicht zu vergessen die Leute, die extra 500 km
angereist waren (nämlich wir) und dann den Fanclub, das Forum und
natürlich die komplette Fanpage, die ja nun mal als Treffpunkt für alles
dient. Schlussendlich wurde es dann der gute, alte “Weatherman”, der mir
persönlich immernoch die Gänsehaut auf die Arme treibt. Durch die Ansage
von Herrn Wirtz wurde mir doch wieder bewusst, wieviel Zeit ich schon
mit dieser Musik verbracht habe. Wir haben uns alle weiterentwickelt,
trotzdem weiss ich es noch, als wenn es gestern gewesen wäre, als ich
den “Weatherman” das erste Mal im Radio hörte und was darauf folgte: Wie
ein Film zog alles an mir vorbei, natürlich auch die ganzen Höhen und
Tiefen, die man miterlebt hat, sowie die ganzen Freundschaften, die man
geschlossen hat. War doch sehr rührend. Immerhin waren Jean und ich mit
Maja da. Sie habe ich das erste Mal auf einem Konzert in Bremen Anfang
2002 getroffen. Seitdem haben wir schon eine Menge zusammen erlebt.
“Never good enough” wurde an dem Abend das erste Mal vorgestellt und
natürlich kam das Ganze super rüber. Ich denke auch, die Band war
erleichtert, dass alles so gut geklappt hat. Zudem gabs wieder rohen
Fisch auf die Ohren - also “Raw Like Sushi”. Daniel machte vorher eine
Ansage, dass doch bitte alle gleich mal ordentlich mitmachen sollen,
weil das alles auf Video aufgezeichnet wird (die Kamera hatte man schon
im Hintergrund gesehen). Also legten Sub7even ein ordentliches Brett hin
und Daniel forderte immer wieder auf, dass beim “OHH OHHH” mitgesungen
wird. Ich würde mal sagen, dass das ca. 20 Leute auch taten. Der Rest
guckte ein wenig verwirrt, war ja aber auch nicht anders zu erwarten.
Selbst ich gab von der Mitte aus alles und war danach heiser. “RLS” (die
neue Abkürzung für “Raw like Sushi”) ist aber nun mal ein echter
Kracher. Da konnte man sich sowieso nicht mehr zurückhalten. Der Refrain
riss einen förmlich mit.
Auch schön waren die ruhigeren Songs wie das Medley von “Maybe”, “I See
You Dancing” und “Whatever It May Take”, sowie natürlich “I Can’t Cry”
als Bandversion. Die rundeten den Abend ab. Mittlerweile sah ich schon
einige Leute neben mir, wie sie sich wieder hinsetzten. Ich frag’ mich
echt, was die sich vorgestellt haben, was da los sein würde. Somit war
das Konzert im musikalischen Sinne sehr gelungen. In Gedanken plane ich
schon meine nächsten Gigs in hoffentlich besserer Verfassung als in
Frankfurt und dann mal wieder in der ersten Reihe dabei. Es ist schon
was anderes, wenn man die Musik direkt vor sich spürt, anstatt einfach
nur damit beschallt zu werden. Als wieder die Musik vom Band anfing zu
spielen, riefen die Leute immer noch Zugabe. Die lange Anreise hat sich
für uns auf jeden Fall gelohnt.
Nach ca. 10 Minuten kam Maja dann auch wieder aus dem Getümmel. Als sie
uns was sagen wollte, hörte man nur noch ein leises Gekrächze. Wir
blieben aber nicht lange allein und setzten uns in die “Rosa Lounge”.
Mittlerweile war es 24 Uhr, die Meisten fuhren schon nach Hause und
einige setzten sich an die Bar. Also eine Aftershowparty war das gewiss
nicht, weil in dem Raum, wo die Musik spielte, irgendwie niemand mehr zu
finden war. Wir ließen uns nicht beirren und hatten trotzdem noch
unseren Spaß zusammen. Gegen 2 Uhr waren noch eine Handvoll Leute da und
so langsam merkten wir unsere Mägen. Also brachen wir auf, wollten
einfach nur noch mal gucken, ob noch einige Leute vielleicht auf den
Sitzkissen oder so waren. Ich guckte nicht schlecht, als dort nur noch
gedämpftes Licht war und keine Menschenseele. Als wir dann bei der
Gardrobe angekommen waren, schauten wir auf vielleicht noch 3 Jacken,
wobei man davon ausgehen konnte, dass die zum Restaurant gehörten.
Wir fuhren dann noch zu Burger King. Auf dem Weg dort hin wurde Maja
nochmal schön geblitzt, weil man nachts ja in Frankfurt nichts Besseres
zu tun hat. Bei Burger King war doch noch eine Menge los. Um 3 Uhr waren
wir dann endlich im Bett und um 9 Uhr morgens fuhren wir wieder in den
Norden zurück. Diesmal verschlief ich aber die halbe Fahrt. Jedenfalls
haben wir einen schönen Abend erlebt, den ich mit gemischten Gefühlen in
Erinnerung behalten werde, weil ich mir doch mehr von der Stimmung
erwartet hatte.
Maike